Newsletter1-2016

Die Würde der Tiere wird missachtet

Auf den ersten Blick könnten sich Tierschutzkreise wie die Alliance Animale Suisse beruhigt zurücklehnen: Tierschutzanliegen geniessen in der Öffentlichkeit viele Sympathien. Und auch die Medien stehen dem Engagement für das Tierwohl wohlwollend gegenüber. Ganz anders sieht es in der Politik aus: Politikerinnen und Politiker der Eidg. Räte haben in den letzten Jahren den Tierschutz mehrfach verwässert und die Würde der Tiere missachtet. Zudem ist der Tierschutz auch in der Erziehung und Bildung noch kein Thema. Ein Kommentar von Katharina Büttiker.

Unter der Kuppel des Bundeshauses haben Tierschutzanliegen einen schweren Stand. In der Wandelhalle wird das Wohl der Tiere immer wieder missachtet! Egoistische Bedürfnisse des Menschen und wirtschaftliche Interessen treten in den Vordergrund, wobei Tierinteressen unberücksichtigt bleiben -  in erster Linie wohl, da diese nicht wählen können.

Ich möchte hierfür einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit geben:

Da wird der Import von Haifischflossen nach wie vor toleriert, obwohl diese den Fischen unter Anwendung grausamster Methoden einfach lebend abgeschnitten werden. Wegen des Arguments der Verwaltung, Haifischflossen würden gar nicht in die Schweiz importiert, wurde gar nicht gross über das Anliegen diskutiert. Dass Haifischflossen in der Zollstatistik unter anderem Titel auftauchen, z.B. Schillerlocke, blieb unbemerkt. Die grausame Tierquälerei will man lieber gar nicht zur Kenntnis nehmen, weshalb der Vorstoss von Oskar Freysinger im Juni 2015 im Ständerat abgelehnt wurde.

Weitere Vorstösse, die auf Importverbote für tierquälerisch erzeugte Produkte abzielen, wurden ebenfalls abgelehnt. Stets spielte das von den Bundesbehörden vorgebrachte Argument, Importverbote würden als Handelshemmnisse den WTO-Bestimmungen widersprechen, eine zentrale Rolle. Das Argument ist nachweislich falsch, wie die Alliance Animale Suisse resp. die Stiftung Tier im Recht mehrfach aufgezeigt haben. Die schweizerischen Tierschutzstandards werden damit aber zu reiner Makulatur. Denn Tierleid ist nicht erträglicher oder besser, wenn es ausgelagert wird. Wenn wir eine Tierschutzpolitik wollen, die diesen Namen verdient, dürfen wir kein Tierleid importieren! Mehr noch: Wir können nicht eine tierquälerische Handlung in der Schweiz für einheimische Produzenten unter Strafe stellen und gleichzeitig das gleiche Produkt aus dem Ausland importieren.

Schwer tun sich die Politikerinnen und Politiker auch mit der Behandlung eines Vorstosses von Nationalrat Matthias Aebischer (SP), der ein generelles Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte verlangt. Ein Anliegen, das richtigerweise auch von verschiedenen führenden Vertretern der Bauern-Lobby unterstützt worden ist. Im September 2015 eingereicht, harrt der Vorstoss aber immer noch der Behandlung.

In den letzten Jahren beschäftigt sich die Bundespolitik zunehmend mit den Fragen des Artenschutzes. Ob Wolf, Luchs, Biber, Höckerschwan usw.: Die Politik drängt immer mehr darauf, dass die Bestimmungen für geschützte Wildtierarten gelockert werden. Bisher geschützte Tiere sollen als jagdbare Tierarten eingestuft werden, womit sie faktisch zum Abschuss frei gegeben werden.

Viele Parlamentsmitglieder sind leider immer noch zu oft der Meinung das Tierschutzthemen für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu wenig Relevanz haben. Das Wissen und die Sorge um das Wohl unserer Mitgeschöpfe hat heute aber auch für das Wohlbefinden der Menschen eine immer grössere Bedeutung. Dabei ist das heutige Wissen über Tiere, ihr Verhalten und ihren Schutz zwar gewaltig gross. Aber unverständlicherweise wird es weder in der Erziehung noch Bildung weitergegeben.

Dem Schutz von Tieren als Lebewesen kommt in der Politik deshalb noch immer eine untergeordnete Rolle zu. Wenngleich die gesellschaftliche Anerkennung für das Engagement von Tierschutzorganisationen durch alle Bevölkerungsschichten hindurch gewachsen ist, erhalten Tierschutzanliegen in der Politik noch zu wenig Unterstützung. Im Recht und in der Politik bleiben die Anliegen der Tiere als Lebewesen oftmals auf der Strecke. Wirtschaftliche Interessen verhindern ethisch und moralisch unbestrittene und vernünftige Lösungen zum Schutz der Tiere. Und damit können wichtige Verbesserungen zum Schutz der Tiere auch hierzulande leider oftmals nicht umgesetzt werden.

Katharina Büttiker, Stiftungsratspräsidentin Animal Trust, Initiantin Alliance Animale Suisse